So kam die Sache ins Rollen…
Vor einer Reise nach Singapur (2017) wollte ich mir einen Taschenaschenbecher kaufen, da ich von den strengen Anti-Raucher-Gesetzen gehört hatte.
Ich suchte nach einem Aschenbecher, der einfach zu bedienen, dicht und alltagstauglich ist. Doch weder Online-Shops noch Fachgeschäfte boten etwas, das meinen Anforderungen entsprach:
- Er sollte mit einer Hand zu öffnen sein (in der anderen hält man ja die Zigarette) und standfest sein wie ein normaler Aschenbecher, also eine flache Form mit tiefem Schwerpunkt.
- Über eine ausreichend große Öffnung verfügen, damit das Abaschen nicht zum Geschicklichkeitsspiel wird.
- Die Wärme, die beim Ausdrücken der Glut entsteht, so gut ableiten, dass die Rückseite nicht heiß wird (also kein dünnes Blech).
- Einen zuverlässigen, dichten Verschluss haben, damit keine Asche in die Tasche gelangt.
Ich machte mir Gedanken darüber, wie ein Produkt beschaffen sein müsste, um diese Anforderungen zu erfüllen.
Zentraler Punkt ist eine gute Dichtung. Über die Verpressung – das ist der richtige Fachbegriff – von Dichtungen gibt es genügend Informationen, sogar einen Online-Rechner. Allerdings ist das übliche MVQ-Silikon gar nicht so weich und braucht schon ungefähr 3 Kilogramm Druck, um eine Öffnung von ca. 4 cm sicher abzudichten. Diese Kraft ist mit einer einfachen Klick-Klack-Technik nicht aufzubringen. Das haben andere vor mir auch schon bemerkt und eine schiefe Ebene, eine Schnecke oder Verschraubung gewählt, um über einen längeren Betätigungsweg eine Kraftverstärkung zu erreichen. Nur sind dazu leider zwei Hände erforderlich.
Auch das Gehäuse war eine Herausforderung: präzise Dichtflächen und gleichzeitig gute Wärmeleitung. Blech? Nur mit aufwendigen Presswerkzeugen. Die Lösung: Aluminium, aus dem vollen Material auf der Drehbank gefertigt – präzise, leicht und thermisch effizient.
Die Idee für den Verschlussmechanismus kam mir bei einem Spaziergang. Der erste Prototyp (2018, 3D-gedruckt) funktionierte erstaunlich gut. So kam die ganze Sache ins Rollen…
Übrigens: In Singapur (in Chinatown) wird durchaus verdeckt auf der Straße geraucht, und eine Frau sagte zu mir: „You only must look for police – take care.“
Ihr
Martin Schreiber